Neue Talente in der Tangoszene von Buenos Aires

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Nuevos Valores - Tango21.info

Argentinien generiert ständig neue dem Tango verschriebene Musiktalente. Daran sind Institute wie die EMPA – Escuela de Música Popular de Avellaneda – ganz wesentlich beteiligt, obwohl die Bars und Kneipen immer noch als informelle Schule gelten, wo die Sänger auftreten und an ihrer Stimme feilen können. Manchmal ist es schwierig bei der großen Zahl der neuen Musiker den Überblick zu behalten. Dieser Artikel soll hier etwas Abhilfe schaffen und auf vier besonders interessante neue Tangomusiker hinweisen. Und obwohl die Auswahl etwas kapriziös ist, spiegelt sie doch auch die Vielfalt der Künstler wider, die sich dem Genre widmen.

Lola Rosa

Lola Rosa spielt Gitarre und hat mit ihren 25 Lenzen schon einige Lorbeeren geerntet. Sie ist Teil der dreiköpfigen Band La Conurbana, und spielt zusammen mit Marisa Vázquez – beide sind Sängerinnen und Autorinnen der neuen Bewegung des feministischen Tangos. Sie begleitet jedoch auch etliche andere SängerInnen und Bands in verschiedenen Bars und Kneipen. Weiter ist sie auch an den musikalischen Projekten Baldío Tango und Dúo Carmín beteiligt. Rosa macht nicht viele Worte. Mit der Gitarre in der Hand, fließt jedoch das Lächeln in dunkle erdige und leicht wie klares Wasser perlende Töne. Siemoderiert im digitalen Radioprogramm La morada del tango nuevo (Die Heimstatt des Tango Nuevo, Anm.d.Üs.) die Sendung „Sentimiento guitarrero”, wo sie Kollegen interviewt und alte Meister der 6 Saiten.

Tomi Lago

„Junge, wie heißt Du?”
„Tomi“
„Das kannst Du doch nicht machen! … Tangos singen und Tomi heißen!!“

Das haben sie Tomi Lago eines Nachts gesagt, in einer der vielen Bars, wo er seine Stimme geschult hat. Und selbst wenn der Zweivierteltakt immer in seiner Nähe waberte, so hat er ihn eigentlich erst in Paris erwischt. In Argentinien hörte er Charly García und Luis Alberto Spinetta. Dies und seine äußere Erscheinung – geprägt von Fitness-Studios und enger Kleidung – machen ihn zu einem untypischen Tanguero. 2023, mit 33 Jahren lanciert er gemeinsam mit Joaquín Plada und Mariano Napoli seine erste Sony-Platte: “El Consorcio”, mit klassischen und eigenen Tangos, ‚richtigen‘ Tangos, obgleich er seinen Hang zum Rock nie ganz aufgegeben hat: es hat auch Versionen des Musikerduos Mores/ Calamaro und von Fito Páez. Ein wahrer Tanguero namens Tomi.

MarSeco

Zirkusakrobatik studieren, nur um eine Tangoplatte aufzunehmen? So weit geht die 28-jährige Protagonistin MarSeco für ihre neue Platte „Chimitango“, die sie unabhängig von großen Labels im argentinischen Patagonien aufgenommen hat, und eine tour de force bis zu den Grenzen des Genres darstellt. Die Künstlerin hat Musical-Komödie studiert und unter anderem Musiktherapie. Sie versteht ihre neue Platte als umfassendes szenisches Erlebnis. Einiges daraus hat sie vorab im Festival “Tanguedá” präsentiert, das von El Gauche organisiert wurde. Ihre Kompositionen verfolgen weiter diesen exzentrischen Stil. Sei es die Hommage an die “Varela Varelita” oder die Darstellung des Lebens einer Katze in „Fa que suave” oder philosophisch à la Zygmunt Baumann in „Amor gaseoso”. Ihre Platten vermitteln diese Verbindungen, die der Tango mit urbaner Musik wie z.B. Trap oder Hiphop haben kann, immer jedoch verwurzelt in Ersterem, sowohl in ihrer Message als auch ihrer Musik.

Delfina Cheb

Mit ihrer vibrierenden Stimme und verhangenem Blick ist Delfina Cheb auch außerhalb der Tangoszene eine bekannte Sängerin, jedoch seltener in Buenos Aires präsent. Sie lebte viele Jahre in Boston, hat im Berkley College of Music ihre Ausbildung gemacht und war auch im New England Conservatory. Ihre Platten tragen den Stempel des namhaften Produzenten Javier Limón. Mit ihren 27 Jahren hat sie beträchtliche Erfahrungen gesammelt und 2 Platten herausgegeben: „Doce milongas de amor y un tango desesperado“ (2020) und „Buenos Aires“ (2022), mit denen sie sich in ihrer Heimat wieder etabliert hat. Obgleich sie sich nicht auf argentinischen Festivals zeigt und das meiste ihrer Produktionen sich an den Klassikern des Genres orientiert, sollte man sie unbedingt auf dem Zettel haben. Ihre embryonalen Kompositionen auf Instagram werden früher oder später in einer Platte münden, die ihrer Stimme würdig ist.

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