Mataderos. Das Schlachthofviertel

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“Mataderos” ist der Titel eines Tangos mit Text und Musik von Pablo „Pacha“ González, aus der CD „Alma de rejilla“ (2012). Zusätzlich bekannt wurde das Stück, weil es in die CD „Disparo en la noche 2“ (= „Ein Schuss in der Nacht 2“) des Orquesta Tipica Julian Peralta und den gleichnamigen Dokumentarfilm von Alejandro Diez aufgenommen wurde. Die CD und besonders der Film zeigen repräsentativ das Panorama des Tango Cancion (= gesungene Tangos) im 21. Jahrhundert.

Mataderos ist ein Viertel am äußersten westlichen Rand der Stadt Buenos Aires. In Mataderos sind die Übergänge, das Zusammenfließen von urbanem und ländlichen Charakter noch deutlich sichtbar. Als Viertel hat sich Mataderos im Laufe der Jahrzehnte stetig weiterentwickelt, ist jedoch immer noch eines der am dünnsten besiedelten Stadtviertel von Buenos Aires. Im 19.Jh. hieß es in wegen seiner fleischverarbeitenden Industrie noch in Anlehnung an die berühmte Schlachthofstadt Chicago noch „Nueva Chicago“.

Mataderos - Buenos Aires

Anfang des 20.Jh. wurde es schlicht und schnörkellos in Mataderos umbenannt (=die Schlachthöfe) und war weiterhin der Ort, wo Landwirtschaft und Hauptstadt aufeinandertrafen, wo Gauchos, Bänkelsänger, Viehhändler, Transporteure und Städter die Kneipen bevölkerten und das ländliche Leben eine robuste Ursprünglichkeit in die Stadt hineintrug. Der erste Großschlachthof „Corrales Viejos“, wo das Vieh auch versteigert wurde, befand sich ursprünglich mehr in der Stadt, in der Gegend von Parque Patricios. 1889 wurde jedoch der neue Schlachthof am jetzigen Standort in Mataderos gebaut, und legte den Grundstein für die Besiedelung des neuen Viertels.

Der Tango von Pablo „Pacha“ González beschreibt das alltägliche Leben, Bilder aus dem Leben im Mataderos des 21.Jh., mit Referenzen zum Viehmarkt als roten Faden, der sich durch den Text zieht. Auch Fußball wird indirekt erwähnt, mit Hinweisen und Anspielungen auf den „Club Atlético Nueva Chicago“, der heute in der 2. Liga spielt.

Mataderos (Text und Musik: Pablo “Pacha” González)
Es singt ”Black” Rodríguez Méndez

Tage, in Kolonnen, wie Kühe trotten,
weiß und schwarz ohne Träume zum träumen
Jalousien auf und nieder gehen, wie die Sonnen
langer Tage, die Mädchen flanieren sahen.

Am Ende ging grußlos der Tag vorbei,
da wartet das Heim
mit dem immergleichen Film.
Am neuen Tag wiedergeboren,
den Motor anwerfend,
zielbewußt.

Tagesthema gleich für alle, gleich
die Reden von Beschäftigten und Chef,
so wird abgestochen, täglich, die Sonne von Mataderos,
ohne Leidenschaft, ohne Lamento,
ohne Schmerz..

Die Mädels waschen‘s Auto mit ihren Liebsten
Jungs mit den Grimassen alter Verkäufer,
Männer ziehen in Reihen in die Stadien, auf
kriegerischer Suche nach Herzensfeuer.

Und es rollt auf der Avenida Alberdi,
rollt über die Straßen Directorio und Pilar,
immer das gleiche Kommentar.
Und weiter, an der Tränke des Corrals,
ging das Gerücht um, daß das
Schicksal keinen Ausweg hat.

Tagesthema gleich für alle, gleich
die Reden von Beschäftigten und Chef,
so wird abgestochen, täglich, die Sonne von Mataderos,
ohne Leidenschaft, ohne Lamento,
ohne Schmerz.

Über Pablo „Pacha“ González:
Er ist einer der bekanntesten Autoren des neuen Tangos in Buenos Aires. Mit seinem Quartett “Los Interminables“ zeigte er sich auf den wichtigsten Bühnen der Hauptstadt, wie zum Beispiel auf dem Tangofestival der Stadt Buenos Aires. 2016 und 2017 realisierte Pablo „Pacha“ González mit seiner Band Europatourneen und trat in mehr als 30 Städten auf. Die CDs der Gruppe sind „El tango interminable” 2015 und „Alma de rejilla” 2012, Interama “EP” 2018.

Mit seinen Tangos zeichnet er aktuelle Bilder der Stadt, wo Liebe, Einsamkeit, Witz und Poesie auf natürliche Weise miteinander verschmelzen. Der Sound der Band wird von einem soliden Rhythmus getragen, der sich zwar an die Traditionen anlehnt, jedoch zu ganz neuen Klängen verarbeitet wird.

Basis: https://tango21.info/mataderos/?lang=es
Übertragung : Dr. Stela Popescu-Böttger

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