Tanghetto – Säule des Elektro- und Neotango

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Tanghetto

Anfang des 21. Jahrhunderts lag der Tango als Tanzmusik kreativ weitgehend am Boden. Abgesehen vom Tango Nuevo Piazzollas hatte sich seit Ende der 50er Jahre wenig getan. Auch waren die großen Orchester weitgehend verschwunden und die Anzahl der Tangomusiker im Verhältnis zur Goldenen Epoche sehr stark zurückgegangen. Piazzollas Tango Nuevo war zwar eine Revolution für den Tango, aber er wurde lange stark angefeindet, bezweifelt, ob es überhaupt Tango sei und Piazzolla zielte auch nicht auf den Tango als Tanzmusik ab.


Ähnlich geht es dem Elektrotango, der zu Anfang des 21.Jh., mit den Bands Bajo Fondo, Gotan Project, Otros Aires, Tanghetto, NarcoTango u.a. die Tangomusik aufmischte und erneuerte. Der große Unterschied zum traditionellen Tango liegt in der viel stärker betonten Rhythmik und dem Gebrauch von elektronischen Musikinstrumenten, vor allem dem Synthesizer und Soundmaschinen, die vorher aufgenommene Samples einspielen konnten.


Eine der Pioniere des Elektrotango war die 2003 gegründete Gruppe Tanghetto, die zur Modernisierung des Tango durch den Einsatz von moderner Musiktechnik wie sie im Rock, Pop und Jazz verwendet wurde wesentlich beigetragen hat. Das Repertoire von Tanghetto besteht aus Eigenkompositionen und aus modernen Arrangements von Klassikern des Tangos, teilweise aber auch des Rock und Pop. Großen Anklang findet aktuell das Album „Tanghetto plays Piazzolla“, welches 2021 für einen Latin Grammy nominiert worden ist.

Tanghetto ist seit 2003 auf allen wichtigen Tangofestivals weltweit und auf vielen großen Bühnen aufgetreten wie z.B. dem Lincoln Center in New York oder der O2-Arena in London. Sie spielen viel bei Milongas, z.B. in den berühmten Milongas „Canning“ oder „La Viruta“ in Buenos Aires, d.h. sie wissen wie Tänzer zu bewegen sind. Ursprünglich als Studioprojekt von Max Masri und Diego S. Velazquez gegründet, zählen die Live-Auftritte von Tanghetto international zu den Höhepunkten der Electrotangoszene.
Anders als andere Elektrotango – Gruppen, die nach großen Erfolgen kaum noch auftreten und nur noch wenig neues Material produzierten, ist Tanghetto seit 2001 beständig mit neuen Kreationen hervorgetreten. Es wurden einschließlich Live-Aufnahmen und Kompilationen mittlerweile 15 CDs veröffentlicht, von denen einige für die großen lateinamerikanischen Musikpreise „Latin Grammy“ und „Premio Gardel“ nominiert wurden. Dreimal hat Tanghetto diese begehrten Preise bekommen. Auch ihre aktuelle CD „Reinventango“ wurde für den „Premio Gardel“ benannt. Fast alle CDs haben lt. Tanghetto Gold- oder Platinstatus erlangt.


Max Masri, Kopf der Gruppe, sieht Tanghetto insofern in der Tradition von Piazzolla, als auch der Elektrotango den traditionellen Tango herausfordert. Einerseits durch die Integration von anderen Musikstilen und durch die moderne Instrumentierung, andererseits aber auch, weil Elektrotango in Argentinien von der traditionellen Tango-Community häufig nicht akzeptiert wird. Im Ausland dagegen zählt Tanghetto zu den Grundpfeilern des Neotango, der als Elektrotango eine eigenständige Soundästhetik innerhalb des Tangos geschaffen hat.


„Tanghetto“ setzt sich zusammen aus „Tango“ und „Ghetto“. Seit dem ersten Album „Emigrante“ (2003) ist die Musik von Tanghetto von Migration und anderen aktuellen politischen Themen inspiriert. Max Masri hat auch wesentlich dazu beigetragen, dass die in der Gruppe „Colectivo Electro Tango Argentino – EAR“ zusammengeschlossenen Bands sich ein politisches Manifest gegeben haben, welches sich u.a. zur Gleichstellung der Geschlechter bekennt. Entsprechend spielte Tanghetto auch auf dem ersten Festival von Tango Queer in Buenos Aires.

Tanghetto

  • Max Masri, Synthesizer, Stimme, Elektronik
  • Aldo Di Paolo, Piano
  • Joaquín Benítez, Bandoneón
  • Octaio Bianchi, Violine
  • Daniel Corrado, Schlagzeug
  • Regina Manfredi, Chelo

Tanghetto Milonguero Trio

  • Max Masri, Synthesizer, Stimme, Elektronik
  • Also die Paolo, Piano
  • Joaquín Benitez, Bandoneón

Discographie

  • 2003: Emigrante (electrotango) (studio album)
  • 2004: Hybrid Tango (studio album/side project)
  • 2008: El Miedo a la Libertad (studio album)
  • 2009: Más Allá del Sur (studio album)
  • 2012: Incidental Tango (studio album)
  • 2014: Hybrid Tango II (studio album)
  • 2015: Progressive Tango (studio album)
  • 2020; Reinventango (studio album)
  • 2021; Tanghetto plays Piazzolla (studio album)

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