Die Zukunft des Tango weitergeben: 25 Jahre Orquesta Escuela Emilio Balcarce (Teil 2)

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Orquesta Escuela Emilio Balcarce

Tango21: Im Repertoire erscheint auch Generación X von Víctor Lavallén. Welche Rolle spielt zeitgenössische Komposition innerhalb eines Projekts, das so intensiv mit historischen Stilen arbeitet?

Ignacio: Auf dem Album gibt es drei neue Kompositionen: Generación X von Víctor Lavallén, A la alta escuela von Néstor Marconi und Pichuco von José Colángelo.

Die ersten beiden sind der Orchesterschule gewidmet und bilden zusammen mit dem Tango A la orquesta escuela de tango von Emilio Balcarce eine Art Trilogie.

Zeitgenössische Kompositionen haben innerhalb unseres Programms ihren Platz – vor allem im zweiten Jahr und im Rahmen der Zusammenarbeit mit den eingeladenen Dirigenten und Komponisten.


Tango21: In 25 Jahren sind viele Musikerinnen und Musiker durch das Orchester gegangen. Viele von ihnen leiten heute eigene Projekte. Welchen konkreten Einfluss hatte die Schule auf die heutige Tangoszene?

Ignacio: Der Einfluss ist unbestreitbar und tiefgreifend. Es ist kaum vorstellbar, wie die heutige Tangoszene aussehen würde – zumindest so, wie wir sie kennen – ohne den Beitrag der Balcarce-Schule.

Unter den Absolventen finden sich Musiker wie Diego Schissi, Pablo Estigarribia, Ramiro Boero, Pablo Jaurena, César Rago oder Santiago Segret, die heute wichtige künstlerische Karrieren verfolgen.

Zugleich entstehen aus der Schule immer wieder neue Ensembles, die aus den Beziehungen zwischen den Studierenden hervorgehen. Heute verteidigen wir mehr denn je die ursprüngliche Idee der Orchesterschule als eine echte „Fabrik von Kollegen“.


Tango21: 25 Jahre öffentliche Kulturarbeit sind fast ein Wunder. Wie schützt man ein solches Projekt vor politischen Veränderungen?

Ignacio:Es ist tatsächlich ein Wunder. Ein Wunder, das durch die Anstrengungen vieler Menschen möglich wurde: des gesamten Teams, der Meister, der Studierenden, der Kulturjournalisten, des Publikums und unserer Familien.

Die wichtigste Strategie bestand darin, stets hervorragende Ergebnisse zu zeigen und unsere Arbeit sichtbar zu machen – durch Konzerte und kulturelle Aktivitäten. Die Unterstützung der Presse und der Kulturszene von Buenos Aires war dabei entscheidend.


Tango21: Die Schule bildet nicht nur Musiker aus, sondern schafft auch Publikum. Wie misst man den „sozialen Ertrag“ eines solchen Projekts?

Ignacio: Es ist schwierig, diesen Ertrag exakt zu messen. Aber wir können einige Faktoren beobachten: die große Zahl von Bewerbern, die Tausenden von Menschen, die unsere Konzerte besuchen, oder die vielen Absolventen, die heute wichtige Positionen in Orchestern, Theatern und Casas de Tango innehaben.

Das Entscheidende ist, dass die Ergebnisse sichtbar sind.

Foto: @soleadofilms

Tango21: Wie stellst du dir die Zukunft der Orchesterschule vor?

Ignacio: In den nächsten Jahren müssen wir digitale Werkzeuge stärker nutzen, um Menschen zu erreichen, die nicht nach Buenos Aires kommen können. Gleichzeitig müssen wir die Generation der eingeladenen Meister erneuern und dabei die stilistische Vielfalt des heutigen Tango berücksichtigen.


Tango21: Du schreibst auf deiner Website, dass dein Ziel darin besteht, „die Art zu verändern, wie man Tango hört und versteht“. Wie hat sich deine eigene Art zu hören verändert?

Ignacio: Ich habe mich sehr verändert – durch die Erfahrung, diesen Kunstbereich aus so vielen Perspektiven zu erleben. Als ich El Arranque gründete, war ich 19. Als ich die Orchesterschule gründete, war ich 23. Bald werde ich fünfzig.

Die größte Veränderung besteht darin, dass man irgendwann in diese multidimensionale „Matrix“ der orquesta típica eintaucht und beginnt, alles zu verstehen, was in diesen drei Minuten populärer Kunst geschieht.


Tango21: Was erwartet das Publikum beim Jubiläumskonzert?

Ignacio: Eine echte Feier des instrumentalen Tango und der öffentlichen, kostenlosen musikalischen Bildung. Das Repertoire wird im Wesentlichen dem Album entsprechen – eine Demonstration dessen, was möglich ist, wenn Talent, Entschlossenheit, Arbeitsethik und institutionelle Unterstützung zusammenkommen.


Informationen zur Orchesterschule

Die Orquesta Escuela de Tango Emilio Balcarce ist ein Ausbildungsprogramm des Kulturministeriums der Stadt Buenos Aires und gehört zur Dirección General de Enseñanza Artística (DGEART).

Pädagogisches Team

Künstlerischer Leiter: Ignacio Varchausky
Musikalischer Leiter: Víctor Lavallén

Violinlehrer / Konzertmeister: Guillermo Rubino
Bandoneónlehrer / Solo-Bandoneón: Ramiro Boero
Klavierdozent: Adrián Enríquez
Kontrabassdozent: Patricio Cotella

Koordinatorin: Amaya Lainez Le Déan
Notenkopist: Camilo Ferrero


Mitglieder des 17. Jahrgangs

  • Klavier: Luca Grassi, Patricia Szilagyi
  • Bandoneón: Matías Buono, Lucía Coggiola, Luciano Groisman, Aureliano Mosquera, Alejandro Pereyra
  • Violine: Rocío Hilen Alves, Paula Corrarello, Sofía Herman, Bianca Laura, Sara Lizola, Lara Rapetti, Leonel Romero
  • Viola: Fernando Penayo, Mayra Yamil Vartanian
  • Cello: Raffi Castro Tekyan, Abigail Vallejos
  • Kontrabass: Nicolás Ortiz

Präsentationskonzert

Samstag, 14. März, 19 Uhr
Salón Dorado – Casa de la Cultura (Av. de Mayo 575, Buenos Aires)
Freier Eintritt

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