Ultratango und der Electrotango heute: Interview mit Gastón Satragno

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Ultratango
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Zwei Jahrzehnte kreativer Spannung zwischen Tradition und Elektronik

Seit mehr als zwanzig Jahren nimmt Ultratango einen besonderen Platz auf der Landkarte des zeitgenössischen Tangos ein. Weit davon entfernt, Elektronik lediglich als technisches Beiwerk zu verstehen, hat das von Gastón Satragno geleitete Projekt eine eigene Identität entwickelt. Sie beruht auf dem Dialog zwischen der Tango-Tradition und digitalen Klangsprachen.

Als Pioniere des Electrotango in einer Zeit, in der diese Verbindung noch auf Widerstände stieß, durchlief Ultratango verschiedene ästhetische Phasen, ohne dabei seinen klaren Fokus zu verlieren: die Suche nach einem persönlichen Klang, in dem Bandoneon, Violine, Schlagzeug und elektronische Programmierung in einer permanenten kreativen Spannung koexistieren. Mit der Zeit wurde diese anfängliche Erkundung zu einer immer organischeren Fusion, getragen sowohl von der individuellen Entwicklung der einzelnen Musiker als auch von einem tieferen Verständnis des Genres.

Im Rahmen des Festival Electrotango wirkt die Rückkehr von Ultratango zugleich wie ein Schließen des Kreises: ein Wiedersehen zwischen einem grundlegenden Projekt des Genres und einem Publikum, das die zeitgenössischen Entwicklungen des elektronischen Tangos aufmerksam verfolgt. In diesem Interview reflektiert Gastón Satragno über die Entwicklung des Projekts, die Gegenwart des Electrotango, die heutige Rolle der Avantgarde sowie über die Motivation, mit Ultratango weiterhin ein musikalisches Terrain zu erforschen, das sich – fernab von Erschöpfung – ständig neuen Möglichkeiten öffnet.


Interview mit Gastón Satragno (Ultratango)
Mehr als 20 Jahre Electrotango: Entwicklung und Identität des Projekts

Tango21: Ultratango erforscht seit mehr als 20 Jahren die Verbindung von Tango und Elektronik. Wenn du auf den gesamten Weg zurückblickst: Wie empfindest du die Entwicklung der Identität des Projekts von den ersten Alben bis heute?

Gaston: Ich glaube, sie hat sich enorm weiterentwickelt. Die Fusion entsteht heute viel natürlicher als am Anfang, als man noch mehr recherchieren und lernen musste, um den richtigen Weg zu finden. Und jeder von uns hat eine persönliche Entwicklung durchlaufen, die zu einem immer reicheren und individuelleren Klang geführt hat.


Der Electrotango heute: Avantgarde oder etabliertes Genre?

Tango21: Der Electrotango war zu seiner Zeit ein starker Bruch innerhalb des Tangos. Wie siehst du das Genre heute? Hast du das Gefühl, dass es weiterhin ein Raum der Avantgarde ist oder sich in etwas anderes verwandelt hat?

Gaston: Er ist nach wie vor ein Raum der Avantgarde und des Bruchs. Was das Genre betrifft, hat es sich – wie so oft – mit der Zeit verdichtet, bis das Repräsentativste übrig blieb. Und das ist sehr positiv.


Tradition, Elektronik und kreative Spannung
Tango21: Bei Ultratango treffen Bandoneon, Violine, Schlagzeug und elektronische Programmierung aufeinander. Wo liegt für dich heute der kreative Schwerpunkt: in der Tango-Tradition, in der Elektronik oder gerade in der Spannung zwischen beiden?

Gaston:Ein bisschen in allem, je nachdem, was man erreichen möchte. Manchmal nähern wir uns stärker von der elektronischen Seite, in anderen Fällen genau umgekehrt – ausgehend vom klassischsten und rohesten Tango. Die Spannung allerdings suchen wir immer, weil sie das Interessanteste ist.


Das Festival Electrotango als sinnstiftender Rahmen
Tango21:Das Festival Electrotango bietet einen spezifischen Kontext, mit einem Publikum, das offen für Sprach- und Stilkreuzungen ist. Was bedeutet es für dich und für Ultratango, gerade bei diesem Festival zu spielen?

Gaston; Es schließt den Kreis. Wir waren von Anfang an mit dieser Musikrichtung verbunden, und es ist sehr erfüllend, an einer Veranstaltung teilzunehmen, die ein spezifisches Publikum anzieht, das diesem Genre folgt. Außerdem haben wir bei den vorherigen Ausgaben gerade nicht gespielt.


Piazzolla, Elektronik und neue Perspektiven
Tango21: Was kannst du über die Show verraten, die ihr präsentieren werdet? Gibt es einen Ansatz, eine Atmosphäre oder Material, das sie von anderen jüngsten Auftritten unterscheidet?

Gaston: Wir werden unsere Piazzolla-Versionen präsentieren – etwas, das sehr charakteristisch für uns ist und einige neue Ansätze beinhaltet. Und wir werden eigene Stücke spielen, aus einer sehr elektronischen Perspektive heraus.


Die Zukunft von Ultratango
Tango21: Nach so vielen Jahren Karriere: Was weckt in dir noch Neugier oder den Wunsch, innerhalb des Projekts Ultratango weiter zu forschen?

Gaston: Ich denke, Tango ist eine sehr reiche und anspruchsvolle Musik, die sich für unendliche Erkundungen eignet. Man entdeckt immer etwas Neues. Er kann einen immer wieder überraschen.

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